Pyrenäentour Herbst 2007

Tag 1

12:00, 18°, bewölkt. Die Wettervorhersage für die Pyrenäen ist nicht schlecht. So wie es aussieht, werde ich auf dem Weg dorthin eine Regenzone durchfahren müssen. Da scheint mir erträglich, sodass ich mich definitiv in jene Richtung auf den Weg mache. Um den Weg dorthin erfreulich zu gestalten, fahre ich zuerst mal (alles auf Autobahnen) bis Martigny im Unterwallis. Unterwegs wird es kühl und ich nutze eine Tankpause zum Einsetzen des Winterfutters. Ebenso kommen Sturmhaube und Unterhandschuhe zum Einsatz. Wohlig warm geht es den Col de la Forclaz Richtung Savoyer Alpen hinauf. Regen setzt ein, wie erwartet. Ich bin der einzige auf 2 Rädern. Auf dem Pass nur noch 6°. Kaffeepause. Einziger Gast. An der Grenze wird nochmals aufgetankt zum günstigen CH-Preis. Dann über den Col des Montest Richtung Chamonix. Der Mont Blanc hüllt sich in Nebel und Wolken. Auf dem Weg Richtung Albertville übernachte ich in einem Hotel in der Nähe von Megève und geniesse ein herrliches Abendessen mit Geflügelleber-Mouse, Pouletschenkel glasiert und Gemüse sowie einem herrlichen Kokoseis mit Orangensauce.

Tag 2

9:30, 6°C, hie und da leichter Regen. Nach einem reichhaltigen Frühstück geht's weiter Richtung Albertville. Die Wettervorhersage sagte was von Schnee bis 1000m. Hatte schon in Erwägung gezogen, die Alpen auf dem schnellsten Weg Richtung Südwest zu verlassen, als in Albertville immerhin 12° angezeigt werden und ich teilweise blauen Himmel sehe. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und fahre also Richtung Col de la Madeleine. Auf der 23km langen Passstrasse begegnen mir gerade mal 3 PKW und 2 LKW. Zeitweise fahre ich im Nebel bzw. den tiefliegenden Wolken, darüber wieder mit bester Sicht und dann wieder in der nächsten Schicht Nebel. Auch im Nebel ist die Sicht allerdings nie sehr schlecht. Nur keine Fernsicht. Auf der Passhöhe (2000m) dann aber dichter Nebel und nur 3°. Zumindest habe ich keine Mühe, einen Parkplatz zu finden, da ich wiederum der einzige bin. In der Herberge gibt's am Cheminéfeuer einen heissen Milchkaffee, Als ich raus gehe schneit es ganz leicht. Die Strasse bleibt aber ”nur” nass. Hinunter geht es ähnlich wie hinauf, was die Sicht betrifft. Nebel, freie Sicht, ja sogar Sonnenschein wechseln sich ab. Da sich der erste Pass gelohnt hat, versuche ich mein Gück nun am Col du Glandon. Neben dem schon bekannten Wechsel der Sichtverhältnisse noch etwas Erstaunliches. Von weitem erblicke ich auf geschätzten 1500m ein ca. 4-5m hohes Gittergeflecht, auf dessen Bedeutung ich mir keinen Reim machen kann. Schliesslich, wie ich daran vorbei fahre, ergibt es sich als Abgrenzung eines Fussballfeldes inklusive zweier Tore. Wer dort seine Heimspiele austrägt, ist allerdings nicht auszumachen. Auf der Passhöhe ist des Nebels wegen die Aussicht gleich Null. Ich fahre also gleich weiter mit einem Abstecher auf den benachbarten Col de la Croix de Fer. Ausser dem Croix de Fer (Eisenkreuz) sehe ich einige höher gelegene Bergflanken, die wie mit Zucker bestäubt aussehen. Nach einer Zigarettenpause geht's dann abwärts Richtung Grenoble auf einer fantastischen Strasse durch das Tal der Olle. Ich will die Stadt meiden und entscheide mich, über Villard nach Valance zu fahren. Die Karte verspricht eine tolle Strasse. Die stimmt auch bis nach ca. der Hälfte des Weges das Aus kommt. Strasse gesperrt wegen Bauarbeiten. Keine Vorwarnung, keine Umleitung. Also zurück und ein Stück weit auf der Autobahn Richtung Westen. Dann wieder auf die Hauptstrasse, die durch unzählige Nussbaumplantagen führt. In St. Nazaire bestaune ich den Aequaduct. Statt nach Valance fahre ich nun zum etwas nördlicheren Toulon sur Rhones. Ein reizvolles, mittelalterliches Städtchen, das mich mit seiner Schönheit veranlasst, gleich ein Hotel zu suchen. Ich finde auf Anhieb ein Zimmer in einem alten Hotel mit Turmanbau. Das Zimmer ist klein aber hübsch, das Bad befindet isch im besagten Turm. Nach einem Stadtrundgang gibt's im Hotel was zu futtern. Tomate surprise, Lamm, Käse und Pistazieneis. Mmmhh, sehr gut. Den Schlummerdrunk gibt's dann in einer nahe gelegenen Bar. Ich bin jetzt sogar froh über die gesperrte Strasse, sonst wäre ich ja nicht hier gelandet.

Tag 3

13°,leichter Regen. Auf einer herrlich kurvigen Strasse geht's Richtung Lamastre. Die Landschaft ist prächtig, die Strassen haben wenig Verkehr. Ueber kleine Cols geht es so weiter bis nach Vals les Bains. Dann eine unatrakive Ueberführungsstreckke nach Vallon. Dort biege ich auf die Strasse durch die Schlucht Gorges d' Ardèche ab. Dieser touristisch atraktive Ort hatte sich schon lange angekündigt durch Bootsverleih- Bootsfahrten- und anderer Reklamen. Was für ein Anblick dann in der Schlucht. Sie beginnt damit, dass der Fluss durch einen Felsbogen von imenser Höhe fliesst. Unmöglich, einfach nur zu fahren, obwohl die Strasse herrlich ist. Die Schlucht ist einfach atemberaubend. Ein absoluter Leckerbissen vor der langweiligen Weiterfahrt über Nimes, Montpellier, Bezier und Narbonne in die Ausläufer der Pyrenäen. Die letzten beiden Stunden bis Narbonne sind extrem anstrengend. Starker, böiger Westwind macht das Fahren auf zwei Rädern nicht gerade gemütlich. Nach Narbonne verlasse ich die Hauptstrasse und lande schliesslich in Tuchan unweit von Perpignan am Mittelmeer. Ein Schild ”Restaurant, Chambres” lädt mich ein, ein weiteres Mal auf's Campieren zu verzichten. Bei dem Wind keine schwere Entscheidung. Das Zimmer entpuppt sich als Bungalow in einer netten Ferienanlage. Einfach aber zweckmässig. Und was zu essesn gibt's ja auch noch.

Tag 4

Ich erwache vor Kälte! Zum Glück ist die Dusche richtig warm. Schon fertig gepackt gehe ich zum Frühstück und dann ab Richtung Westen auf einer kleinen, kurvenreichen Strecke durch herrliche Landschaften. Bei einem Zwangshalt wegen einspuriger Verkehrsführung bei Axat komme ich ins Gespräch mit einem österreichischen Mototrradtourorganisator. Der empfiehlt mir die Gorges de Gamalus. Ich war am Nordenede des kleinen Tales vorbeigefahren, ohne es zu beachten. Also zurück nach Osten und rein in die Schlucht von Süden her. Was für ein Anblick. Eng und tief, fast bedrohlich. Mit einer schmalen Strasse hindurch. Mehr Ecken als Kurven, sodass man sehr vorsichtig fahren muss. Alles ist so eng, dass neben LKW auch Camper und Fahrzeuge mit Anhängern verboten sind. Nach einer kleinen Zwischenverpflegung aus meinem Reiseproviant geht es zurück nach Axat. Der Abstecher hatte sich wirklich gelohnt. Von Axat aus durch die Schlucht St.Georges auf einer herrlichen Strasse. Alles viel breiter als in der Schlucht zuvor. Langsam aber sicher geht es weiter hinauf bis auf eine wunderschöne Hochebene und schliesslich zum Col de Quillane. Dieser führt mich schliesslich zur Strasse, die mich Richtung Andorra bringen soll. Auf dem Col de Puymorens mache ich Pause im Bergrestaurant. Auf der Sonnenterasse liegt Schnee von den Nächten davor. Nur kurz geht es dann bergab bis zur Abzweigung nach Andorra. Die Grenze liegt unterhalb der Passhöhe des Pas de la Casa. Kaum ist die Grenze passiert, wimmelt es von Tankstellen. Lauter F-gekennzeicnete Fahrzeuge werden für ca. 1€/L gefüllt! Ueber den Port d'Envalira geht es schlisslich Talwärts nach La Vella, der Hauptstadt. Unterwegs, wie schon nach der Grenze, Skiorte und Tankstellen. Dazwischen mal wieder Viehweiden mit Kühen und Pferden. Auch die Pferde tragen ”Kuhglocken”. La Vella selbst ist hässlich und hat schrecklich viel Verkehr. Ich fahre trotzdem durch's Zentrum. Definitiv kein Halt Wert. Kurs vor der nächsten Grenze fülle auch ich meinen Tank und schon geht es Tal abwärts ins spanische La Seu. Bei einer Cola und Kartenstudium entschliesse ich mich, weiter Tal abwärts zu fahren bis Coll de Nagro (kein Pass), um von dort nach Westen nach Tremp zu fahren. Eine gute Wahl. Die Strecke nach Tremp führt über den Coll de Boixols; perfekter Strassenbelag, kurvenreiche Strecke und eine wildromantische Lanschaft. Und kein Verkehr. Auf der Passhöhe (1380m) mache ich Halt, um das Ganze so richtig aufzusaugen. Was für ein Anblick. Fast ein wenig wie in einem Wildwestfilm. Und diese Strasse! Alles in allem ca 45km Kurvenrausch. Unbeschreiblich. Ein wenig ausserhalb von Tremp finde ich einen Campingplatz. Jetzt im September haben sie noch auf. Ich bin der einzige mit Zelt. Zum Essen muss ich irgendwo hin fahren. Ich entschliesse mich für Talarn, einen Ort hoch über der Hauptstrasse. Sehr malerisch. Ich scheine der einzige Tourist im Ort zu sein. Es gibt Steak und Salat. Entgegen meiner Regel (muss ja noch zurück fahren) gönne ich mir eine Cerveza dazu.

Tag 5

Was für ein Tag. Er beginnt zwar insofern unangenehm, als ich durch andauerndes Hundegebell geweckt werde. Aber von da an gings nur noch aufwärts. Zuerst ein Frühstück auf dem Weg zur Port de la Bonaigua. Dann führt mich eine gut ausgebaute Strasse in weiten Kurven durch herrliche Landschaften. Je weiter oben, desto wilder. Kurz vor der Passhöhe meherer Kilometer Baustelle. Man fährt auf dem staubigen Untergrund, der für den Asphalt vorbereitet ist. Eine wirklich staubige Angelegenheit. Der rote Audi vor mir wird immer blasser. Das Rot, nicht der Fahrer. Meine schwarze Kleidung wird langsam hellbraun. Nach dem Bonaigua (2072m) folgt der Col du Portillon (1320), der mich zurück nach Frankreich führt. Die Pyrenäen-Königsetappe hatte wirklich begonnen. Col de Peyresurde (1569) mit Pause, Col d'Aspin (1489) gefolgt vom Col du Thourmalet (2115), wieder mit Pause. Hier liegt Schnee und die Strasse ist nass vom Schmelzwasser. Ein wenig Regen spühlt den spanischen Staub ein wenig weg. Der Kaffee im fast leeren Restaurant tut gut. Dann weiter zum Col du Soulor (1474), von wo aus es durch eine enorme Felswand zum Col d'Aubisque (1709) geht. Allein der Blick auf diese Strasse im Fels ist ehrfurchterregend. Tempolimit ist 25 km/h! Die Bilder, die sich einem bieten, sind kaum in Worte zu fassen. Lanschaften, die an unsere Mittelgebirge, and die Alpen und die südlichen Rocky Mountains erinnern. Dank meherer längerer Pausen fühle ich mich auch nach dem Aubisque frisch genug, noch den St. Martin in Angriff zu nehmen. Dazu muss ich auf einer wunderschönen Nebenstrasse von einem Tal ins nächste fahren. Ein Traum. Hie und da jedoch ist Vorsicht geboten bei nassem Laub und feuchten ”Viehspuren” auf der Strasse. Bevor es schliesslich zum St. Martin hoch geht, muss ich zum vierten Mal an diesem Tag einem Viehtrieb den Vortritt lassen. Zwei Mal waren es Schafe, einmal Kühe und einmal Pferde. Von den frei weidenden Viechern aller Art auf den ”Almen” ganz zu schweigen. Die Strasse zum St. Martin entpuppt sich als speziell durch die vielen Kuppen, die die Sicht auf den weiteren Strassenverlauf verdecken. Sehr oft auch vor Kurven. Dies kommt so oft vor, dass man meinen könnte, es sei mit Absicht so gebaut worden. Auf der Passhöhe (1750) darf ich, weit und breit der Einzige unterwegs, an einer Ampel warten. Und von Süden bläst starker Wind. Dieser begleitet mich auf dem Weg hinunter ins spanische Valle del Romcal (die Grenze war am Pass oben). Lange geht es nur wenig bergab und der Wind stört wirklich. Dann ein relativ kurzes Stück sehr steil, gefolgt von wiederum nur leichtem Gefälle. Die Strassen hier oben sind mit baskischen Parolen übersäht. Die Strasse wird langsam zur Schnellstrasse, kurvenreich aber mit hohen Tempi zu fahren. Einmal mehr nur ich unterwegs. Im ersten Ort (Isaba) suche ich eine Unterkunft. Ein wunderschönes Dorf. Alle Strassen und Gassen mit Pflastersteinen. Sogar die Ortsdurchfahrt mit Steinplatten. Die in Stein gebauten Häuser erinnern mich ein wenig ans Engadin einerseits und ans Puschlav andererseits. Kaum ein Restaurant hier, aber viele Bars. Nach einem Bier in einer der Bars werde ich in einem der wenigen Restaurants auf später vertröstet, sodass ich zu einem weiteren Apéro ”gezwungen” bin. Das Essen, das ich schliesslich um 22:30 zu mir nehme, ist vorzüglich. Rindsschnitzel, Pommes, Wein, Käsesahnetorte, Kaffee. Alles bestens. Für den Schlummerdrunk geht's wieder in eine Bar, denn da darf man rauchen.

Tag 6

Sonntag. Ich schlafe bis 10:30, aber es gibt noch Frühstück. Und zwar reichlich. Ich fahre dann vorläufig parallel zum Pyrenäen-Hauptkamm. Durch herrliche Wälder, über kleinere Pässe. Als ich von einem Radrennen aufgehalten werde, nutze ich die Zeit, um den Pullover auszuziehen. Es ist deutlich wärmer geworden (ca. 20°). Dann beginnt meine ”Grenzerfahrung”, die den Abschluss der Pyrenäenfahrt bilden sollte. Über den Collado de Urkiage nach Frankreich, den Col d'Ispéguy nach Spanien, den Peurto de Otxono nach Frankreich, den Col de Lizarietta nach Spanien, den Col de Lizuniaga nach Frankreich, den Col de St. Ignac immer noch Frankreich und den Col d'Ibardin wieder nach Spanien. Auf dem Ibardin hat es auf spanischer Seite eine riesige Tankstelle, damit die französischen Ausflügler noch günstig zu Sprit kommen (ca. 1.06 €). Diese Pässe sind nicht sehr hoch und lang, aber meist schön und sie führen mich im Zig-Zag immer weiter nach Westen, bis kein Col mehr übrig bleibt. Trotz Ausflugverkehr komme ich immer flott voran und hie und da wird mein Gefährt und/oder zumindest das Nummernschild bestaunt. Irgendwann hab ich das Futter aus der Jacke entfernt, da es in der Zwischenzeit bis 26° hatte. Noch eine kurze Fahrt weiter nach Westen und ich bin am Atlantik. Dort noch auf den Monte Jaizkibel, den ich als westlichsten Punkt der Pyrenäen betrachtete. Ob's stimmt? Was soll's. Zumindest der Blick zurück nach Osten ist herrlich und nach Westen nichts als Wasser. Mit dem Sonntag geht auch die erste Hälfte der mir zur Verfügung stehenden Zeit zu Ende. Ich übernachte in Irun, kurz vor der französischen Grenze, und hab natürlich auch noch aufgetankt!

Tag 7

Warm und trocken. Eine eher ereignislose Fahrt der Atlantikküste entlang nach Nodern, dann Richtung Nord-Ost bis Cahors. In erster Linie schnurrgerade Strassen durch Wälder oder Baumplantagen. Von Zeit zu Zeit ein ”Drecknest”. Fast wie auf der anderen Seite des Atlantiks. Je weiter ich komme, desto mehr Land- statt Forstwirtschaft. Erst nach Cahors wird die Fahrt wieder erfreulicher. Ich fahre durch das Tal des Lot, der sich hier durch eine Art Canyon windet. Links und rechts steile Klippen, barer Fels, dazwischen der Fluss, die Strasse, eine (wohl stillgelegte) einspurige Eisenbahnlinie und je nach Breite mehr oder weniger Landwirtschaftsfläche und kleine Dörfer. Die Häser sind teilweise direkt an den Fels gebaut. Die Strasse folgt ziemlich genau dem Flussverlauf, also kurvig, einmal im Tal, dann wieder hoch darüber. Ein Fest für's Auge und den Fahrer. Unzählige Kilometer ein Kurvenfestival. Dieses endet in in einem enorm hübschen Ort über dem Tal, in dem es leider kein Hotel gibt. Also fahre ich weiter bis Capdenac-Gare, ebenfalls am Fluss, quasi am Ende des ”Canyons” auf der südlichen Seite. Übrigens enden fast alle Ortschaftsnamen hier mit ”-ac”. Capdenac hat gerade mal ein Hotel, kein Restaurant ausser einem Pizzabäcker mit zwei Stühlen. Ich schnappe mir noch schnell ein Panini bevor hier Feierabend ist. Das verschlafendste Städtchen, das ich je gesehen habe. Alles wie ausgestoreben, aber nicht etwa sehr klein. Ich sehe einige Bäckereien, Metzgereien etc.. Seltsam. Auf der Fahrt hierhin durch das -ac-Land sind mir die vielen Häuser (Bauern, Weinbauern?) aufgefallen, die eine Art Turmanbau haben. Der Turm ist nur wenig höher als das Hauptgebäude und hat einen quadratischen Grundriss. Während ich dies beim Schlummerdrunk in der Hotelbar festhalte, wird die Bar für den Feierabend vorbereitet. Stühle auf die Tische etc. Schlisslich ist ja schon fast 22:00!!!!!!

Tag 8

Der heutige Tag ist ganz dem Lot und der Truyère, die weiter flussaufwärts in den Lot fliesst, bzw. deren Täler und Schluchten gewidmet. Beidseits der Schlucht eine Art Hochebene. Ich wechsle die Flussseite je nachdem, wo ich dem Fluss näher folgen kann. Somit ist das Ganze eine ständiges Auf und Ab, da die Strassen teils im Talbett, teils auf halber Höhe, teils ganz oben verlaufen. Ich fahre auf kaum benutzten Nebenstrassen durch schmucke Dörfer und Landschaften. Vallon sehe ich mir etwas näher an. Es ist auf 3 Seiten von Abgrund umgeben und wird von einer mittelalterlichen Burg auf dem höchsten Punkt des Ortes dominiert. Leider ist die Burg vorübergehend geschlossen. Die Aussicht vom Turm muss fantastisch sein. Erst hier bemerke ich, dass nicht nur alle Häuser aus Bruchsteinen gebaut sind, sondern auch die Dächer mit Steinziegeln gedeckt sind. Wie sich zeigt, ist dies in der ganzen Gegend so. Die Gorges de la Truyère scheint endlos lang zu sein. Aber nie langweilig. Einzig die eine Strasse mit zu viel Split ist extrem unangenehm. Da haben die Bauarbeiter ein Mehrfaches dessen hingeworfen, als allgemein üblich. Teilweise liegt der Split centimeter tief. Auf der Strasse, nicht nur am Rand. Der Fluss wird an mehreren Orten gestaut, sodass nun Seen sind, wo ursprünglich der Fluss war. Den Abschluss der Schlucht macht schliesslich der Viaduc de Garabit. Hoch über dem Fluss/Stausee verbindet er die beiden Hochebenen für die Bahn. Ein Meisterwerk der Stahlbaukunst. Als ich St. Flour auf der nördlichen Seite des Tales erreiche, bin ich vom Anblick der Altstadt auf einem Hügel hoch über dem neuen Rest so erbaut, dass ich gleich hinfahre und mir ein Hotel suche. Ich geniesse den Stadtbumel und besuche die aus Basaltsteinen gebaute Kathedrale. Ein schöner Bau aus dem 14. und 15. Jahr­hundert. Es soll die in Europa höchstgelegene Kathedrale sein (871m). St. Flour ist auch Bischoffs­sitz. Etwas rätselhaftes ist das grosse Cruzifix in der Mitte der Kirche. Die Gesichtszüge des Gekreuzigten sind zwar europäisch, die Figur an sich ist aber ganz schwarz. Und keiner weiss weshalb. Diesen sonnigen Tag mit einer relativ kurzen Fahrt beschliesse ich bei einer lokalen Köstlichkeit: Kutteln mit Kartoffelstock.

Tag 9

Als ich aufstehe und die Fensterläden öffne, sehe ich nichts. Nebel! Oha, wie wird's wohl werden? Nach dem Frühstück hat sich der Nebel schon ziemlich gelichtet, sodass ich keine Mühe habe zu sehen, wohin ich fahre. Auf der Fahrt nach Aurillac bringt die Sonne die letzten Nebelfetzen zum Verschwinden. Es wird sonnig bleiben mit deutlich über 20°. Von Aurillac geht es durch ein liebliches Tal Richtung Pas de Peyrol. Die eigentliche Bergstrecke zum Schluss lässt die vielen Split-Strecken unten im Tal schnell vergessen. Auf dem Col (1588) eine herrliche Rundsicht. Der Pass ist von 3 Seiten befahrbar, sodass ich mir beim Kaffe Gedanken machen muss, in welche Richtung ich weiter fahre. Ich entscheide mich für Norden. Das Gefälle gleich zu Beginn der Talfahrt ist enorm: 15%. Der Col d' Aulac soll mich weiter nach Norden bringen. Auf dem Col passiert mir ein Ungeschick. Auf dem Schotter-Parkplatz passe ich nicht auf und mein Vorderrad rollt auf dem Schotter nach links statt geradeaus. Und schon liege ich. Zum Glück bei nur knapp über Null km/h. Ein Paar Kratzer an der Verkleidung bleiben als Souvenir. Vielleicht war dies das schlechte Omen für den weiteren Verlauf meiner Zentralmassiv-Tour. Ich verliere mich in den schlecht beschilderten Strassen und fahre zu oft auf Split. Irgendwie finde ich aber den Weg erstens zu einer langersehnten Tankstelle (ich hatte am Vortag nie getankt) und zweitens nach Issoir. Von da weg geht's über vier weitere Cols ins Tal der Loire und auf die Höhe der östlichen Seite des Tales. Die vier Cols sind eigentlich eher zwei mit jeweils zwei Passhöhen ohne grosse Niederung da­zwi­schen. Sie waren aber trotzdem toll zu fahren. Auf dem Höhenzug zwischen Lyon und St.Etienne suche ich ein Hotel, finde aber auf Nachfrage ”nur” ein Chambre d' Hote. So ähnlich wie Bed & Breakfast. Dies entpuppt sich als Volltreffer. Tolles Zimmer, fantastisches Essen, angenehme Athmosphäre. Ich speise mit zwei weiteren Gästen zusammen und vebringe einen gemütlichen Abend bei Speis und Trank.

Tag 10

Ich stehe früh auf, d.h. kurz nach sieben, um mit den anderen Gästen zusammen frühstücken zu können. Auch das Frühstück ist herrlich und so fahre ich schon bald gestärkt Richtung Nord. Ich will, wie immer, den grossen Orten wie Lyons ausweichen. Erst nördlich davon verlasse ich den Hügelzug, der auch wieder den einen oder anderen kleinen Col beinhaltete. Der Gegend entsprechend hat es viele Rebberge (Beaujolais). Einmal im Tal der Saonne angekommen erwartet mich mal wieder eine lange Geradeausfahrt durch das weite Tal hindurch. Um die Unanehmlichkeit zu steigern, setzt auch noch starker Regen ein. Bevor es über den Col de Berthian (780) geht, hole ich das Winterfutter, die Sturmkappe und die Unterhandschuhe wieder hervor. Um auch Genf auszuweichen fahre ich in den französischen Jura hinein. Langsam lässt der Regen nach, die Strassen aber sind meist nass. Über St. Claude fahre ich ins schweizerische Vallée du Joux, von dort über einen kleinen Jurapass ins Tal der Orbe und dann hinunter an den Neuenburgersee. Gerne wäre ich noch durch den Jura gefahren, aber bei Vallorbe sah es mir zu neblig dort oben aus. Ich folgte Neuenburgersee, dem Bielersee und dem Jurasüdfuss bis an den Unteren Hauenstein, wo ich noch einkehrte im Yysebäänli, dem Bikertreff. Ich war allerdings spät dran und die Saison ist auch fast vorbei, sodass es trotz Donnerstag relativ wenige Bikes hatte. Sogar hier wurde meine Gefährt bestaunt. Wohl eher wegen der Bepackung (Seitenkoffer, Topcase, Gepäckrolle auf Rücksitz und Tunneltasche zwischen Sitz und Lenkkopf). Irgendwann ging's dann weiter durch die Dunkelheit Richtung Basel. Kurz vor Basel nahm ich dann die Autobahn für den Rest. Der Kreis hatte sich geschlossen. So um neun war ich dann todmüde daheim. Früher als gedacht, aber ich sah keinen Sinn darin, die Reise auf Teufel komm raus mit einem Umweg zu verlängern. Dafür war dann der letzte Teil etwas (zu) lang.

Allgemeines in loser Reihenfolge:

Alles in allem habe ich 4174 km zurückgelegt mit einem Durchschnittsverbrauch von 3.65 L.

In Frankreich wie in Spanien sind hohe Pässe sehr oft mit Skistationen versehen. Diese Retortenstädte wirken wie Trabanten und irgendwie deplaziert. Die ?natürlich? gewachsenen Orte, wie man sie im deutschsprachigen Alpenraum findet, sind mir sympathischer, obwohl es auch hier Ausnahmen gibt wie das ach so berühmte St. Moritz.

Im Baskenland sind mir die sehr gepflegten Ortschaften aufgefallen. Anders als in anderen Regionen Frankreichs, wo auch oft heruntergekommene Orte oder Häuser zu finden sind. Möglicherweise hilft da die Bauweise: Bruchstein. Da bröckelt kein Putz!

Die Jahreszeit Ende September erscheint mir sehr geeignet für eine solche Tour. Keine zu grosse Hitze mehr und in der Regel noch kein Schnee. Anfang Oktober besteht die ”Gefahr” reduzierter Angebote an Hotels etc.. Campingausrüstung werde ich in Zukunft in dieser Jahreszeit zuhause lassen.

Die Pyrenäen, das Hauptziel dieser Reise, kann ich nur empfehlen. Anreise ist auch mit dem Zug bis z.B. Narbonne möglich. Das Internet gibt Auskunft.

Auch das Zentralmassiv, als Nebenprodukt meiner Reise, kann ich nur empfehlen. Zwar sind die Pässe nicht so hoch und lang, aber die Gegend an sich ist sehenswert.

Die Preise waren allgemein moderat, auch wenn der Kaffee (Typ Espresso) in Frankreich mal nur einen Euro kostet, in der Regel 1.10 oer 1.20, dann wiedr 1.50.

Längere Strecken lassen sich in Frankreich gut ohne (mautpflichtige) Autobahnen bewältigen. Die Hauptstrassen sind in der Regel sehr gut ausgebaut. Führt eine solche Route National quasi parallel zu einer Autobahn, hat es auch wenig Verkehr.

Die relativ wenigen spanischen Strassen, die befahren habe, waren alle in gutem bis sehr gutem Zustand. Eine solche Strasse war ja auch ein Höhepunkt, wie oben beschrieben. Also nichts wie hin. Für mich war es sicher nicht das letzte Mal.

Im Gegensatz zu hierzulande wird in Frankreich den Zweirädern Platz gemacht, um überhohlen zu können. Das ging von langsamen Fahren ganz am Rand bis zum Ausweichen auf einen strassenseitigen Parkplatz!

Alle spanischen Gaststätten sind beim Eingang gekennzeichnet, ob Rauchen erlaubt ist oder nicht. Wie es scheint, ist es in Bars grundsätzlich erlaubt, in Restaurants nur selten. Wie genau die Regel ist, konnte ich nicht feststellen, aber das Prinzip der klaren Kennzeichnung hat mir gefallen. Und natürlich, dass Rauchen nicht grundsätzlich verboten ist.

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